Warum Sozialzentren?

Mädchen aus den Dörfern am Rand der Millionenstadt Douala im Alter von 12 bis 20 Jahren werden in die Stadt geschickt, um dort „das Glück zu finden“ – und dort dann meist allein gelassen. Sie erleben Überlebensprostitution und sexuelle Ausbeutung.

Oft müssen sie bei Verwandten unterkommen: Gern gesehen sind sie meist nicht. Solche Mädchen führen ein Aschenputtel-Dasein. Sie werden häufig schlecht behandelt und müssen noch froh sein, ein Dach über dem Kopf zu haben…

Diese Mädchen und jungen Frauen fangen wir auf in unseren Sozialzentren. Die meisten haben Gewalt erlebt. Wir hören zu, betreuen sie liebevoll, geben ihnen Halt und Orientierung und bereiten sie auf eine eigenständige Zukunft vor, um ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Dazu gehört auch, dass die Mitarbeiter gemeinsam mit den Mädchen den Kontakt zu noch vorhandenen Familienmitgliedern aufgebauen. Sie sensibilisieren die Restfamilie dafür, dass die Mädchen – die oft als „Nichtsnutz“ angesehen wurden – Talente haben, die gefördert werden sollten. Das sichert den Mädchen langfristig – auch nach ihrer Ausbildung – die soziale Einbindung, die sie so nötig haben. Erst recht in einem Land, in dem es keine Absicherung durch ein Sozialsystem gibt.

Die drei Sozialzentren in Douala

HUPJEFI steht für „halte utile pour jeunes filles“, auf deutsch „Helfender Halt für junge Mädchen“. Doch HUPJEFI ist bereits eine Art „Marke“ geworden, die für nachhaltig wirksame, an den konkreten Bedürfnissen vor Ort orientierte Hilfe steht. Die Arbeit ist vom Sozialministerium anerkannt und wird gesellschaftlich geschätzt, da es in der Millionenstadt kein vergleichbares Projekt gibt, das sich um Lebenshilfe für die vernachlässigten Mädchen kümmert.

Das erste Sozialzentrum entstand 1998 aus einer Privatinitiative der Kameruner Bauingenieurin Patience Mollè Lobè, die zunächst einige Mädchen, um sie zu schützen, in ihr eigenes Haus aufnahm.

Daraus wurden bis heute drei Sozialzentren in verschiedenen Teilen der wachsenden Metropole Douala (sowie weitere Initiativen). Die Zentren haben, ihrer Lage in der Stadt entsprechend, eine je eigene Prägung.

  • Der Stadtteil New Bell gehört zum traditionellen Innenstadtbereich und reicht im Süden bis an den Interationalen Flughafen von Douala heran. Neben den dort traditionell angesiedelten Stämmen prägen hier zunehmend auch christliche und muslimische Mädchen das Bild, deren Familien als Flüchtlinge aus Nigeria und der Zentralafrikanischen Republik in Douala stranden.
  • Der Stadtteil Bonabéri (mit vermutlich allein schon mehr als 1 Mill. Einwohnern) liegt von der Innenstadt am anderen Ufer des Flusses Wouri, in dem der Hafen Doualas liegt. Der Stadtteil ist industriell geprägt und durch eine große Brücke mit dem Stadtkern auf der anderen Seite verbunden.
  • Der Vorort Bomono liegt etwa 30 km nordwestlich von Bonabéri am Rand der Stadt. Aus diesen Dörfern in Reichweite der Stadt stammen viele der Mädchen, die in die Zentren kommen. Hier geht es stärker darum, Wege zu finden, um der Abwanderung in die Stadt entgegen zu wirken. Das Engagement in Bomono findet daher in besonders engem Kontakt mit der Dorfbevölkerung statt. 2017 wurde dafür der Preis für das beste Engagement in der Region vergeben.

Weitere Sozialzentren in den drei anderen Arrondissement wären nötig. Jedoch ist eine weitere, dauerhaft auf intensive Unterstützung angewiesene Einrichtung in der derzeitigen finanziellen Situation nicht realisierbar.

Was geschieht in den HUPJEFI-Zentren?

Die Mädchen, die in die Zentren kommen, sind zwischen 14 und 20 Jahre alt. Jedes Jahr können in jedem Zentrum etwa 25 Mädchen aufgenommen werden und erhalten dann intensive Betreuung durch geschultes Personal.

Die Zentren sind von 9-16 Uhr als Anlaufstelle geöffnet. teilnehmende Mädchen wohnen weiterhin bei ihren Familien oder – häufiger – entfernteren Verwandten. Im Zentrum erhalten sie eine warme Mahlzeit und einen Ort, an dem sie familiäre Geborgenheit erfahren.

Im ersten Jahr absolvieren sie eine allgemeine Ausbildung, die

  • grundlegende Schulbildung (Grundschule), soweit diese verpasst wurde
  • praktische Fächer wie Hauswirtschaft, Kochen, Handarbeiten (Schneidern, Sticken) und PC Basiskenntnisse sowie vor allem
  • täglichen Unterricht in Sexualpädagogik, Gesundheitsprävention und Ethik

umfasst. Jeden Freitag zeigen sie in , was sie gelernt haben.

Für den Erfolg ist die Entwicklung der selbständigen Persönlichkeit und die Stärkung des Selbstwertgefühls von zentraler Bedeutung. Unterstützende Maßnahmen finden in unmittelbarem, persönlichen Kontakt mit der Betroffenen statt:

  • Soforthilfe in Notsituationen
  • Aktives Zuhören, Beratung und Betreuung bei sozialen Problemen sowie erlittenen Verletzungen und traumatischen Erlebnissen
  • Positive Reintegration in die Familie durch Versöhnung, Stärkung des Kontakts, Einladungen und Hausbesuche.

Besonders wichtig ist die wohlwollende, fördernde Einstellung der Mitarbeiter. Sie schafft ein Klima der Akzeptanz und der Eigenverantwortung, das sich im konkreten Miteinander im Zentrum täglich bewähren muss.

Wie geht es danach weiter?

Dieses erste Jahr durchzuhalten, ist für viele der Mädchen keine leichte Sache. Häufig sehen die Familien den Nutzen nicht und sind lediglich darauf aus, dass die Mädchen kurzfristig Geld nach Hause bringen.

Die es schaffen, erhalten die Chance, zwischen einem und fünf Jahren weiter begleitet zu werden, bis sie vollständig auf eigenen Beinen stehen. Je nach Alter, psychischer Verfassung, Talent und Kenntnisstand werden sie in eine öffentliche Schule oder eine Arbeitsstelle vermittelt oder machen sich mit einem Handwerk selbständig.

Inzwischen haben mehrere hundert Mädchen die Grundausbildung absolviert und konnten in die Eigenständigkeit entlassen werden.

Manche Familie hat schließlich den langfristigen Wert einer Weiterbildung, auch von Mädchen, erkannt und konnte zu deren Unterstützung gewonnen werden. Einige haben so mit Hilfe des HUPJEFI-Zentrums den Sprung ins öffentliche Schulsystem und sogar auf eine höhere Schule geschafft.

Einige haben sich als begabt für ein Handwerk erwiesen und arbeiten heute als selbständige Schneiderinnen, Stickerinnen oder Friseurinnen. Dies ist möglich geworden, weil sie eine Grundausstattung  an Werkzeug und Material mit auf den Weg bekommen haben. Andere sind als Händlerinnen auf dem Markt tätig. Auch hierfür bedarf es einer kleinen Starthilfe.

Blick auf die Innenstadt von Douala, im Hintergrund der Hafen

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Der Hafen von Douala

Blick auf den Hafen von Douala.

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