Warum Sozialzentren?

Mädchen aus den Dörfern am Rand der Millionenstadt Douala werden in die Stadt geschickt, um für sich selbst zu sorgen – und dort allein gelassen. Ihnen droht Überlebensprostitution und sexuelle Ausbeutung.

Auch wo sie bei Verwandten unterkommen: Gern gesehen sind sie allzu oft nicht. Solche Mädchen führen ein Aschenputtel-Dasein. Sie werden häufig schlecht behandelt und müssen noch froh sein, ein Dach über dem Kopf zu haben…

Diese Mädchen und jungen Frauen fangen wir auf in unseren Sozialzentren. Häufig haben sie Gewalt erlebt. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe, um ihnen ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Die drei Sozialzentren in Douala

HUPJEFI steht für „halte utile pour jeunes filles“, auf deutsch „Helfender Halt für junge Mädchen“. Doch HUPJEFI ist bereits eine Art „Marke“ geworden, die für nachhaltig wirksame, an den konkreten Bedürfnissen vor Ort orientierte Hilfe steht. Die Arbeit ist vom Sozialministerium anerkannt und wird gesellschaftlich hoch geschätzt.

Das erste Sozialzentrum entstand 1998 aus einer Privatinitiative der Kameruner Bauingenieurin Patience Mollè Lobè, die zunächst einige Mädchen, um sie zu schützen, in ihr eigenes Haus aufnahm.

Daraus wurden bis heute drei Sozialzentren in verschiedenen Teilen der Stadt Douala (und weitere Initiativen). Die Zentren haben, ihrer Lage in der Stadt entsprechend, eine je eigene Prägung.

  • Der Stadtteil New Bell gehört zum traditionellen Innenstadtbereich und reicht im Süden bis an den Interationalen Flughafen von Douala heran. Neben den dort traditionell angesiedelten Stämmen prägen hier zunehmend auch Mädchen, deren Familien als Flüchtlinge in Douala stranden, das Bild.
  • Der Stadtteil Bonabéri liegt von der Innenstadt aus auf der gegenüberliegenden Seite des Flussdeltas des Flusses Wouri, in dem die Häfen Doualas liegen. Der Stadtteil ist industriell geprägt und durch eine große Brücke mit dem Stadtkern auf der anderen Seite verbunden.
  • Der Vorort Bomono liegt nordwestlich von Bonabéri außerhalb der Stadt. Aus diesen Orten in Reichweite der Stadt stammen viele der Mädchen, die in die Zentren kommen. Hier geht es stärker darum, Wege zu finden, um der Abwanderung in die Stadt entgegen zu wirken. Das Engagement in Bomono findet daher in besonders engem Kontakt mit der Dorfbevölkerung

Weitere Sozialzentren wären nötig. Jedoch ist eine weitere, dauerhaft auf intensive Unterstützung angewiesene Einrichtung in der derzeitigen finanziellen Situation nicht realisierbar.

Was geschieht in den Sozialzentren?

Die Mädchen, die in die Zentren kommen, sind zwischen 14 und 24 Jahre alt. Jedes Jahr können etwa 30 Mädchen aufgenommen werden und erhalten dann intensive Betreuung durch geschultes Personal.

Die Zentren sind von 9-16 Uhr als Anlaufstelle geöffnet. teilnehmende Mädchen wohnen weiterhin bei ihren Familien oder Verwandten. Im Zentrum erhalten sie eine warme Mahlzeit und einen Ort, an dem sie familiäre Geborgenheit erfahren.

Im ersten Jahr absolvieren sie eine allgemeine Ausbildung, die

  • grundlegende Schulbildung, soweit diese verpasst wurde
  • praktische Fächer wie Hauswirtschaft, Handarbeiten und Bürotätigkeiten sowie
  • täglichen Unterricht in Sexualpädagogik, Gesundheitsprävention und Ethik

umfasst.

Für den Erfolg ist die Entwicklung der selbständigen Persönlichkeit und die Stärkung des Selbstwertgefühls von zentraler Bedeutung. Unterstützende Maßnahmen finden in unmittelbaren, persönlichen Kontakt mit der Betroffenen statt:

  • Soforthilfe in Notsituationen
  • Aktives Zuhören, Beratung und Betreuung bei sozialen Problemen sowie erlittenen Verletzungen und traumatischen Erlebnissen
  • Positive Reintegration in die Familie durch Versöhnung, Stärkung des Kontakts, Einladungen und Hausbesuche.

Besonders wichtig ist die wohlmeinende, fördernde Haltung der Mitarbeiter. Sie schafft ein Klima der Akzeptanz und der Eigenverantwortung, die sich im konkreten Miteinander im Zentrum täglich bewähren müssen.

Wie geht es danach weiter?

Dieses erste Jahr durchzuhalten, ist für viele der Mädchen keine leichte Sache. Häufig sehen die Familien den Nutzen nicht und sind lediglich darauf aus, dass die Mädchen kurzfristig Geld nach Hause bringen.

Die es schaffen, erhalten die Chance, zwischen einem und fünf Jahren weiter begleitet zu werden, bis sie vollständig auf eigenen Beinen stehen. Je nach Alter, psychischer Verfassung, Talent und Kenntnisstand werden sie in eine öffentliche Schule oder eine Arbeitsstelle vermittelt oder machen sich mit einem Handwerk selbständig.

Inzwischen haben mehrere hundert Mädchen die Grundausbildung absolviert und konnten in die Eigenständigkeit entlassen werden.

Manche Familie hat schließlich den langfristigen Wert einer Weiterbildung, auch von Mädchen, erkannt und konnte zu deren Unterstützung gewonnen werden. Einige haben so mit Hilfe des HUPJEFI-Zentrums den Sprung ins öffentliche Schulsystem und sogar auf eine höhere Schule geschafft.

Einige haben sich als begabt für ein Handwerk erwiesen und arbeiten heute als selbständige Schneiderinnen, Stickerinnen oder Friseurinnen. Dies ist möglich geworden, weil sie eine Grundausstattung  an Werkzeug und Material mit auf den Weg bekommen haben. Andere sind als Händlerinnen auf dem Markt tätig. Auch hierfür bedarf es einer kleinen Starthilfe.

 

 

Blick auf die Innenstadt von Douala, im Hintergrund der Hafen

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